Die Marienfrömmigkeit

Das Fundament der Marienfrömmigkeit findet sich in den Evangelien selbst.

Wenn man sie aufmerksam liesst, entdeckt man, dass die Jungfrau von Nazareth dort ständig präsent ist, wenn auch verschleiert und im Hintergrund; aber in den entscheidenden und ausschlaggebenden Augenblicken im Leben ihres Sohnes Jesus, des Wortes Gottes, wird in  den Evangelien über die Rolle Mariens ganz ausdrücklich berichtet. Deshalb sind die katholischen und orthodoxen Christen nicht die einzigen, die Maria ehren: all jene, die die Bibel als heiligen und grundlegenden Text anerkennen, bringen ihr Ehre und Respekt entgegen.

Es ist klar, dass dieser Respekt der Muttergottes gegenüber eine besondere Kraft und Fülle in der Kirche erreicht, die seit der Morgenröte ihres Glaubens an Christus, zu seiner Mutter mit den Worten des Engels Gabriel aus der Hl. Schrift betet. Die Worte des „Ave Maria“, allgemein bekannt und gebetet von den Christen auf der ganzen Welt! Der Rosenkranz (und seine Weiterentwicklung zum Psalter), das Magnifikat, sowie alle grossen Gebete, Lobpreisungen und Hymnen, wie die Hymne des Akathistos, gehören zu den ältesten Gebetsformen des universalen Erbgutes marianischer Frömmigkeit in der Kirche.

Die Marienfrömmigkeit ist mit dem geistlichen Leben der Kirche verbunden.

Dieser Gebetsschatz wird übrigens auf vielfache Art in der universalen Kirche zum Ausdruck gebracht: durch Mariennovenen, Andachtsgegenstände (Statuen, Bilder), Perioden der Woche oder des liturgischen Kalenders, Orte (Kapellen, Heiligtümer, Basiliken und Kathedralen), die der Hl. Jungfrau geweiht sind und auch Weihen an ihre Person durch verschiedene spirituelle Familien, die durch die ganze Geschichte der Christenheit hindurch, Maria als Lebensvorbild gewählt haben. All das beweist ausreichend, wie sehr die Marienfrömmigkeit mit dem geistlichen Leben der Kirche verbunden ist.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, erlebt man sogar eine neue Blüte der Marienfrömmigkeit.  Erinnern wir uns daran, dass Papst Paul VI. Maria amtlich als „Mutter der Kirche“ verkündet hat. Desgleichen hat das Zweite Vatikanische Konzil wieder die Wichtigkeit der Volksfrömmigkeit betont, indem es die Legitimität der Heiligenbilder von Jesus, Maria und den Heiligen, gewissen Tendenzen gegenüber, die diese aus den Heiligtümern beseitigen wollten, bestätigte.

Denn die Liebe und die Frömmigkeit Maria gegenüber unterliegt nicht einer Rührseligkeit,  sondern einer Liebe jener gegenüber, die Mutter und Vorbild ist, um die Menschen, ihre Kinder, zur Begegnung mit Christus zu führen. Die kindliche Liebe zur Mutter Jesu, bemerkte Papst Johannes  Paul II., erweckt im Christen den festen Entschluss, ihre Tugenden nachzuahmen.