Der Papst Marias

„Meine Art und Weise, die Verehrung der Muttergottes zu verstehen, hat eine Wandlung erfahren. War ich früher überzeugt, dass Maria uns zu Christus führt, so beginnt mir gegenwärtig klar zu werden, dass auch Christus uns zu seiner Mutter führt.“ (Joh. Paul II., „Meine Berufung – Gabe und Geheimnis“, Paris 1996)

Kaum war er im Oktober 1978 zum Papst gewählt worden, nahm Johannes Paul II. den Buchstaben „M“ („Maria“) in sein päpstliches Wappen auf und fügte diesem die Devise hinzu: „totus tuus“ („ganz der deine“, gemäß den Worten der Marienweihe des heiligen Louis Marie Grignion de Montfort, des berühmten heiligen Apostels des französischen Départements Vendée im 17. Jahrhundert, der einer seiner geistlichen Väter war).

„Pilger Marias“

Bei jeder seiner Reisen hielt er sich eine Etappe frei für den Besuch eines Marienheiligtums oder eine Gebetszeit vor einer im Gastland besonders verehrten Mariendarstellung (der italienische Autor Renzo Allegri nannte sogar eines seiner Bücher „Papst Wojty?a, Pilger Marias“).

 

Auch die Verbindung ist bekannt, die das Leben des Heiligen Vaters und die Botschaft Unserer Lieben Frau von Fatima einte: Johannes Paul II. hat selbst erklärt, er erkenne sich wieder in dem „weiß gekleideten Bischof“, der im dritten Geheimnis von Fatima beschrieben wird, jenem Geheimnis, das er anlässlich seines Besuchs im portugiesischen Marienheiligtum im März 2000 enthüllte. Diese „Botschaft“ von Fatima, die drei Hirtenkindern am 13. Mai 1917 verkündet worden und lange Zeit geheim geblieben war, wurde von der Kirche offiziell anerkannt als von der Muttergottes stammend. Am 13. Mai 1981 lenkte „die Hand der Muttergottes“ die Kugel ab und rettete so dem Papst das Leben.

 

Nach der Vision der Hirten fiel der „weiß gekleidete“ Bischof unter dem Feuer einer Gruppe von Militärs, genauso wie Johannes Paul II., der am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz von dem Schuss des türkischen Terroristen Mehmet Ali Agça getroffen wurde. Der Papst erklärte, „die Hand der Muttergottes“ habe die Kugel abgelenkt und ihm so das Leben gerettet. Er ließ die mörderische Kugel in einem Golddiadem einfassen, das seitdem die Statue der Muttergottes von Fatima krönt und schenkte seinen blutbefleckten Gürtel dem polnischen Marienheiligtum Tschenstochau.

 

Als Zeichen seiner Verehrung überließ Johannes Paul II. diesen beiden Heiligtümern sowie jenen von Aparecida in Brasilien und Guadalupe in Mexiko die „goldene Rose“, die in der christlichen Ikonografie entweder den Kelch symbolisiert, der das Blut Christi auffing, oder Christi Wunden. Er schenkte eine Rose am 14. August der Muttergottes von Lourdes, nachdem er einen Schluck Wasser von der Quelle in der Grotte von Massabielle getrunken hatte. Die goldene Rose ist in Wahrheit ein kleines Rosenbukett, das von italienischen Goldschmieden aus Gold und kostbaren Steinen gearbeitet wurde und dessen mittlere Blüte ein Gefäß mit geweihtem Balsam und Moschus beinhaltet.

Die Marienheiligtümer: „Wie Oasen in der Wüste“, sagt Johannes Paul II

Das Attentat von 1981 und das dritte Geheimnis von Fatima haben seine Verehrung der Muttergottes noch verstärkt, die schon auf seine Kindheit zurückgeht. Sie war ihm eingeprägt worden zuerst von seiner Mutter, die starb, als Karol 9 Jahre alt war, dann von seinem Vater und seinen geistlichen Lehrern. Wenn das Gespräch auf den Ursprung seiner Berufung zum Priester kam, betonte Johannes Paul II. stets „die Verehrung der Muttergottes“. Im Laufe seines Lebens besuchte Karol Wojty?a Hunderte von Wallfahrtsstätten, die der Muttergottes geweiht sind. An die 500, nach den Berechnungen Renzo Allegris:

 

„Die über die Welt verteilten Marienheiligtümer sind wie Markierungssteine, die aufgestellt wurden, um die Zeiten unseres Weges auf Erden zu kennzeichnen. Sie gewähren uns eine Pause während der Reise, um uns die Freude und Sicherheit auf dem Weg zurückzugeben sowie die Kraft, voran zu schreiten – wie Oasen in der Wüste“, schrieb der Papst.

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(Quelle: AFP, 07.08.2004)